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Barrierefreiheit in Brasilien

Im Zuge seines wirtschaftlichen Aufschwungs bringt Brasilien seit 2002 die Modernisierung seiner Infrastruktur mit grossen Schritten voran. Das Thema Barrierefreiheit spielt in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle, denn Politiker und Planer sind sich darüber im Klaren, dass der wachsende Wohlstand wichtige demographische Veränderungen in der mit einem Durchschnittsalter von 27 Jahren sehr jungen brasilianischen Gesellschaft mit sich bringen wird. Der nationalen Statistikbehörde IBGE zufolge wird es 2020 rund 10 Millionen mehr über 60-jährige geben als zu Beginn des Aufschwungs im Jahre 2002. Barrierefreiheit steht daher bei vielen aktuellen Projekten mit im Vordergrund. So beinhaltete das zur Bewerbung um die Ausrichtung der Fussballweltmeisterschaft 2014 vorgelegte Programm auch musterhafte Konzepte zur Umsetzung barrierefreier Architektur und Veranstaltungsplanung, die von vielen Beobachtern hoffnungsvoll als der Beginn eines Umdenkprozesses im brasilianischen Städtebau schlechthin angesehen werden. 

Abseits der Prestigeprojekte und dem Alltag in den als nicht dringlich entwicklungsbedürftig geltenden Räumen kann jedoch in Brasilien von Barrierefreiheit nach europäischem Muster kaum die Rede sein - vor allem dann, wenn man bedenkt, dass der Anteil an Behinderten in der brasilianischen Bevölkerung mit 14,5 Prozent relativ hoch liegt.  Jahrzehntelanges ungeordnetes urbanes Wachstum sorgte in vielen brasilianischen Metropolen für ein Stadtbild, das oft genug auch nichtbehinderte Fussgänger vor bizarre Probleme stellt, und nach wie vor hebeln überforderte und/oder gleichgültige Kommunalverwaltungen existierende Gesetze effizient aus. Gemessen an der Grösse des Landes und den vielfältigen kurzfristigen Herausforderungen denen es entgegensieht, dürfte dies auch noch für einige Zeit so bleiben.

Brasilien, das Land der Sandstrände, des Amazonas und des Pantanal, ist ein klassisches Abenteuerreiseziel. Behinderte, die eine Brasilienreise planen suchen zumeist nach persönlichen Grenzen und hegen nur seltenst erhöhte Erwartungen bzgl Komfort und Barrierefreiheit. Immer wieder zeigen individualreisende Behinderte, dass Brasilien trotz mangelnder Normen durchaus bereist werden kann, und immer wieder wird berichtet, dass die grosse Hilfsbereitschaft der brasilianischen Bevölkerung für vieles kompensiert. Kommunikationsberietschaft und ausreichende Sprachkenntnisse sind daher - wie überall auf der Welt - ein wichtiges Plus, weswegen zur Vorbereitung der Reise in jedem Fall auch ein Sprachkurs gehören sollte. An die passende Ausrüstung sollte ebenfalls gedacht werden: Fachhändler wie der Rollator Shop bieten konvertierbare und witterungsfeste Rollatoren, Rollstühle und andere Geräte, die speziell für Außenaufenhalte und Reisen konzipiert wurden. Wer sich speziell für Aktivurlaub und Naturbegegnungen in Brasilien interessiert, findet in der NGO Aventura Especial eine gute Anlaufstelle. Die von Behinderten betriebenene Organisation entwickelt barrierefreie Abenteuertrips seit den 1990er Jahren, führt seit 2006 auch Rafting und Climbing Trips im Großraum Sao Paulo in ihrem Programm und bietet Infos und Kontakte für andere barrierefreie Reiseziele im Land.