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Bicho do Pé

"Bicho do Pé" oder "Bicho de Pé" - wortwörtlich übersetzt das "Fussviech" - lautet die in Brasilien geläufige umgangsprachliche Bezeichnung für den Sandfloh (Tunga penetrans). Tunga penetrans stammt ursprünglich aus Südamerika, findet sich aber heute auch in weiten Teilen Mittelamerikas, Afrikas und Asiens, wo er unter einer Reihe von Namen, wie zb. Chigeo, Chigger Flea oder Jigger bekannt ist. Das Vorkommen von Tungiasis (Befall mit Tunga penetrans) beschränkt sich auf tropische Breiten und ist im südlichen Brasilien deutlich seltener als im Nordosten oder im Norden. In nordafrikanischen Ferienzielen wie Marokko oder Tunesien ist Tunga penetrans entgegen gelegentlichen Berichten nicht heimisch, sondern lediglich durch sporadisch aus dem äquatorialen Afrika eingeschleppte Fälle bekannt.

Die nähere Bekanntschaft mit einem "Bicho do Pé" ist im Grunde harmlos und gehörte bis vor kurzem bei Reisen in ländliche Gegenden Nordostbrasiliens praktisch "mit dazu". Opfer von Tunga penetrans sind fast ausschliesslich Barfussgeher, in Ausnahmefällen kann man aber auch während eines Strandaufenthalts an Händen oder in der Rückengegend gestochen werden. Tunga penetrans lebt auf sandigem Boden, auf dem auch Hunde, Esel oder andere Tiere verkehren. Der weibliche Sandfloh dringt in die Haut des Wirtes ein, mit besonderer Vorliebe in der Nähe der Zehennägel. Ausser einem subtilen und nur kurz schmerzenden Stich, den oft nur erfahrene Barfussgeher einordnen können, spürt das Opfer davon in der Regel nichts. Der typische gelegentliche Juckreiz beginnt erst ein paar Tage nach der Infektion. Einmal unter der Hautoberfläche eingenistet, ernährt sich das Weibchen 1 bis 2 Wochen lang vom Blut seines Wirtes und legt schliesslich bis zu 1000 Eier. Das Ergebnis ist ein ründliches weisses Gebilde von der Grösse eines Stecknadelkopfes bis zu dem einer Linse, in dessen Mitte die Atempore des Flohs als dunkler Punkt erkennbar ist.

Die Behandlung erfolgt in Brasilien sofort nach der Entdeckung mit Hilfe einer gut desinfizierten Nähnadel, wobei nach Möglichkeit direkt in den dunklen Punkt eingestochen wird. Zuvor sollte der Fuss gründlich in warmer Salzlösung gebadet und gereinigt werden. Nach der Entfernung und einer weiteren Desinfektion wird zumeist eine beindruckend grosse Öffnung von bis zu mehreren Milimetern Tiefe im Zeh sichtbar, die sorgfältig vor Nachinfektionen zu schützen ist. Werden diese Vorkehrungen gut beachtet, erübrigt sich in den allermeisten Fällen ein Arztbesuch. Hartnäckiges Ingorieren von Tungiasis bei Langzeitaufenthalten kann dagegen ernste Folgen wie Tetanus oder das Absterben von Zehen nach sich ziehen.

Den besten Schutz gegen "Bicho do Pé" bieten feste Schuhe und ausgiebiges Waschen der Füsse nach Barfussaufenthalten im Sand. Eine gut ausgeblidete Hornhaut schützt nicht wirksam gegen Tunga penetrans. Einheimische klagen zwar in der Regel seltener über Tungiasis, sind aber, wie der sprichwörtliche Status des "Bicho do Pé" in Brasilien belegt, keineswegs dagegen immun.