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Bicho Geográfico

"Bicho Geografico" ist die brasilianische umgangssprachliche Bezeichnung für Larva migrans cutanea (LMC), auch bekannt als Creeping Eruption oder Hautmaulwurf, einer durch die Larven diverser Arten von Hakenwürmern verursachten Hauterkrankung. Die eigentlichen Wirte des Parasiten sind Hunde und Katzen, artenabhängig aber auch Nager und Vieh sowie einige Wildtiere. Bei diesen gelangt der Parasit durch orale Aufnahme in den Magen, wo er sich voll entwickelt und Eier legt, die über den Kot ausgeschieden werden und bei ausreichender Wärme und Feuchtigkeit zu Larven heranwachsen. Beim Menschen erfolgt die Infektion durch Hautkontakt mit durch den Kot dieser Tiere kontaminierten Böden.

Betroffen ist in den meisten Fällen die Fußsohle, ein Befall an anderen Köperteilen ist jedoch ebenfalls möglich. Der menschliche Wirt ist für den Parasiten ein Fehlgriff und eine fatale Sackgasse. Unfähig, bis zum Magen seines Wirts vorzudringen, wandert er ziellos unter der Haut umher und hinterlässt dabei ein typisches Muster von länglichen und geröteten Hautreizungen, das stark an eine Landkarte erinnert (daher der brasilianische Begriff "geografico"). Nach ein paar Wochen stirbt der Parasit und die Symtome verschwinden. In dieser Zeit kann der durch seine Aktivität hervorgerufene starke Juckreiz die Nachtruhe ernsthaft stören und auf diese Weise Urlaubsfreuden beeinträchtigen.

"Bicho Geografico" ist in ländlichen Gegenden Brasiliens bestens bekannt. Zu den traditionellen brasilianischen "Behandlungsformen" gehören unter anderem das Ausbrennen oder Vereisen des Parasiten (bzw. der Enden der von ihm hinterlassenen Gänge. Hiervon ist jedoch abzuraten, da diese Methoden nicht nur schmerzhaft sondern auch ineffektiv sind. Dagegen schafft ein regelmässigen Auftragen von Salben auf der Basis von Wirkstoffen wie Tiabendazol oder Ivermectin über mehrere Tage für verlässiche Abhilfe. Zu den am häufigsten empfohlenen und am besten verfügbaren Medikamenten gehört unter anderem die Salbe der Marke "Foldan". Den besten Schutz gegen "Bicho Geografico" bietet ein geschlossenes Schuhwerk - Wanderstiefel müssen es jedoch nicht sein, ein paar Sneakers oder geschlossene Komfortschuhe tun es genauso gut - und Früherkennung durch Untersuchung der Fussohle schon beim geringstem Juckreiz, vornehmlich nachts.

Larva migrans ist in allen tropischen Gegenden dieser Welt zuhause. Der widerstandsfähige Parasit gelangt gelegentlich auch nach Europa und andere gemässigte Regionen, wo es ihm von Zeit zu Zeit gelingt, Personen zu infizieren die selbst noch nie in die Tropen gereist waren. Auch aus Deutschland sind solche Fälle bekannt, etwa aus dem besonders heissen Berliner Sommer von 1992.