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Morbus Chagas, Mal de Chagas

Die Chagas Krankheit - auch Chagas-Cruz Krankheit, Amerikanische Trypanosomiasis oder Morbus Chagas, auf portugiesisch mal de chagas, chaguismo oder tripanossomíase americana - ist eine durch das Geißeltierchen Trypanosoma cruzi hervorgerufene Infektionskrankheit. Der Einzeller zählt zur gleichen Gattung wie der Erreger der Schlafkrankheit (Trypanosoma brucei) und zur gleichen Ordnung wie der Erreger der Leishmaniose. Infektionsweg, Krankheitsbild und Verlauf sind jedoch sehr unterschiedlich. 

Benannt ist die Krankheit nach dem brasilianischen Arzt Carlos Chagas, der sie 1909 entdeckte und vollständig beschrieb. Sie gilt in 21 Ländern Amerikas als endemisch. Ihr wichtigster Überträger ist die nachtaktive Raubwanze Triatoma infestans. In Brasilien ist das markant gemusterte und bis zu 4 cm grosse Insekt vor allem unter dem Namen Barbeiro (der Barbier) aber auch als Bicudo, Chupão, Chupança, Fincão oder Procotó bekannt (in Chile, Bolivien, Paraguay und Argentinien kennt man das Insekt als Vinchuca, in Venezuela als Chipo, in Kolumbien als Pito, in Mittelamerika als Chinche und in Mexiko als Chinchorro). Zu den Vektoren gehören Wildtiere wie Opossum, Gürteltier und Faultier ebenso wie Haushunde, Katzen und Ratten. Die Zahl der mit Morbus Chagas Infizierten wird auf weltweit 18 Millionen geschätzt, bei jährlich 15.000 Todesfällen und 50.000 Neuinfektionen. Damit gehört Morbus Chagas neben Dengue und Malaria zu den am häufigsten von Insekten übertragenen Krankheiten überhaupt.

Der Barbeiro sticht schlafende Reptilien, Vögel, Säuger und Menschen und saugt Blut, vornehmlich in der Augen- und Lippengegend (daher der Name "Barbier"). Die Infektion erfolgt jedoch nicht durch den Stich, sondern durch den Kontakt der Stichwunde und/oder der Schleimhäute mit dem kontaminierten Kot des Insekts. Dieser Kot kann über Monate, eventuell auch Jahre, infektiös bleiben. Betroffen sind in der Regel arme ländliche Regionen mit Tierhaltung in unmittelbarer Nähe der Wohnräume, in Brasilien vor allem Gegenden mit der traditionellen Taipa (Lehmbau) Architektur, da sich der Barbeiro gern in den Wänden dieser Gebäude einnistet.

Zu dem Symptomen der akukten Phase der Krankheit, die bis zu 4 Wochen anhalten kann, gehören Fieber, Ödeme, Durchfall, Bauchweh, geschwollene Lymphknoten und Krämpfe. Bei intakten Immunsystemen folgt danach eine symptomfreie Latenzphase, die viele Jahre oder sogar Jahrzehnte andauern kann. Viele Patienten werden sich der Krankheit erst in der chronischen Phase bewusst, wenn sie unter mit einer Vergrößerung des Herzens einhergehenden Symptomen wie Herzrasen und Atemnot zu leiden beginnen. Ausserdem werden während der chronischen Phase Nervenzellen im Darm zerstört, was zu Bauchfellentzündung oder Verdauungstillstand und Darmdurchbruch führen kann.

Morbus Chagas ist eine tückische Krankheit, die gemessen an ihrer Verbreitung viel zu wenig bekannt ist. Bisher ist keine Schutzimpfung gegen sie bekannt. Barbeiros sind robuste und sehr widerstandsfähige Tiere und viele herkömmliche insektenabweisende Mittel und Methoden sind gegen sie wirkungslos. Bei Übernachtungen in Lehmhäusern (casas de taipa) sollte man grosse Vorsicht walten lassen - etwa durch den Gebrauch durchgehend geschlossener und weiter Moskitonetze, die die Haut beim Schlafen nicht berühren - bzw. nach Möglichkeit ganz darauf verzichten.
 
Eine indirekte Infektion mit Morbus Chagas ist auch über Blutransfusionen möglich. Anders als in Spanien und den USA gilt dies in Deutschland aufgrund des niedrigen Anteils an Immigranten aus Lateinamerika als vergleichsweise kleines Problem. Personen aus endemischen Chagas Gebieten oder Menschen die dort lange lebten, dürfen in Deutschland kein Blut spenden. In Berlin testeten 2006 lediglich 2 Prozent dieser Risikogruppe positiv auf Trypanosoma cruzi. 2006 wurden aus Brasilien indirekte Infektionen über den Wein der Bacaba Palme (Oenocarpus bacaba) bekannt. 2010 wurden aus dem Bundesstaat Amazonas bei Einheimischen Chagas Fälle nach dem Verzehr von Palmherzen gemeldet.