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Conjuntivite - virale Bindehautentzündung

Virale Conjunctivitis oder Keratoconjunctivitis epidemica (KCE) - auf portugiesisch zumeist "Conjuntivite", auf englisch "conjunctivitis", "pink eye" oder "Madras eye") ist eine durch Viren hervorgerufene Entzündung der Augenbindehaut. Die Krankheit tritt in Brasilien besonders in städtischen Gegenden epidemisch auf und ist stark ansteckend. Ausgelöst wird sie durch den auch in Europa bestens bekannten Adenovirus. Die Übertragung erfolgt zumeist durch indirekten Kontakt wie Händeschütteln oder das Berühren von Türklinken, Haltengriffen oder Kugelschreibern und anschliessendem Reiben der Augen. Die Inkubationszeit beträgt zwischen ein paar Tagen und einer Woche, wonach in der Regel zunächst nur ein Auge von starker Rötung, Schwellen der Agenlider, Tränen, Sandkorngefühl, Lichtempfindlickeit und starkem morgendlichen Verkleben betroffen ist. Oft wird ein paar Tage später auch das andere Auge befallen. Den Verursacher direkt bekämpfende Therapien gibt es nicht - die Beschwerden klingen in der Regel nach spätestens 2-3 Wochen von selbst ab. Da der Krankheitsverlauf hierdurch dem einer Grippe nicht unähnlich ist, ist Keratoconjunctivitis epidemica im deutschen Volksmund auch als "Augengrippe" und im brasilianischen als "gripe dos olhos" bekannt.
 
In Deutschland ist virale Conjunctivitis seit 2001 meldepflichtig. Seitdem wurden jährlich zwischen 82 und 658 Fälle registriert. Die höchsten Zahlen stammen aus den Jahren 2004 (658) und 2006 (574). 2008 und 2009 lag die Zahl der Fälle deutlich niedriger (169-180). In Brasilien ist die Krankheit viel weiter verbreitet und erreicht gelegentlich epidemische Ausmasse. Zwischen Januar und März 2011 waren allein im städtischen Sao Paulo 210.000 Menschen davon betroffen. Als riskoreiche Perioden für derartige Epidemien gelten Regen- und damit Grippeperioden, sowie - aufgrund der erhöhten Infektionsmöglichkeiten in grossen Menschenansammlungen - die Zeit während und unmittelbar nach Karneval. "Conjuntivite" bedeutet auf brasilianisch lediglich Bindehautentzüng - aufgrund des erhöhten Vorkommens von viraler Conjunctivitis behandelt der brasilianische Volksmund diese Begriffe zumeist als synomym. Medizinisch wird natürlich auch hier zwischen viralen, bakteriellen, allergischen und traumatisch bedingten Entzündungen unterschieden.

Adenoviren sind äussert resistent und können ausserhalb des Körpers mehrere Tage lang überleben und ansteckend bleiben. Eine brasilianische "Conjuntivite" wird Ihre Urlaubsfreuden mit hoher Wahrscheinlichkeit merklich mindern - dagegen vorbeugen können Sie am besten durch Hygiene - regelmässiges und gründliches Waschen der Hände sowie regelmässiger Wechsel des Kopfkissenbezugs - und Disziplin - möglichst kein nervöses Reiben der Augen sowie reduzierter Körperkontakt bei Begrüssungen. Nach einer Infektion ist ein Arztbesuch ratsam - schon allein aufgrund der vielen in Brasilien auftretenden agressiven Varianten - hierbei sollte man wählerisch vorgehen, denn nicht selten fungieren Krankenhäuser und Praxen auch als Infektionsherde. Zur Minderung der Symtome empfehlen sich feuchtigkeitsspendende und antispetische Tropfen sowie regelmässige Kompressen mit kühlem gefiltertem Wasser (ca. 5 Grad). Daneben nutzt man in Brasilien tradtionell auch oft Borwasser (Água borídica) - hierauf sollte jedoch allerhöchstens nach Rücksprache mit einem Arzt zurückgegriffen werden.
 
Zu den möglichen langfristigen Auswirkungen der Krankheit gehört eine Trübung der Hornhaut, welche die Sehkraft bleibend beeinträchtigenden kann. Aus diesem Grund sollte man eine "Conjuntivite" auf jeden Fall ernster nehmen als eine Erkältung und entsprechend versuchen, sich vor ihr zu schützen. Virale Conjunctivitis endet mit Immunität - zieht man sie sich erneut zu, hat man es mit einer neuen Variante des Virus zu tun. Laut Auskunft der brasilianischen Medien steckte hinter die Epidemien Anfang 2011 kein Adenovirus, sondern der Enterovírus Coxsackie A24 - eine zuletzt 2003 gesichtete und ausgesprochen hartnäckige Variante, die auch Blutungen verursachen kann.