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Dengue Fieber

Denguefieber, auf brasilianisch kurz Dengue, auf Englisch auch dandy fever oder bonebreaking fever (Knochenbrecherfieber) ist eine durch die Gelbfiebermücke, auch Aedes Mücke oder Tigermücke - (Stegomyia aegypti und Stegomyia albopicta, früher auch Aedes aegypti bzw. Aedes albopictus) - übertragene Infektionskrankheit, hervorgerufen durch einen Virus der Gattung der Flaviviren. Dengue ist weltweit verbreitet und zählt zusammen mit Malaria zu den am häufigsten durch Insekten übertragenen Krankheiten überhaupt.

Die Gefährlichkeit von Dengue und die Wichtigkeit seiner kompromisslosen Bekämpfung stehen ausser Frage. Dennoch wird die Krankheit in der Gesellschaft bis heute beharrlich unterschätzt. Dies dürfte unter anderem daran liegen, dass Dengue ist eine vergleichsweise neue Krankheit ist und ihr Potential noch nicht voll entfaltet hat. Vermutlich gelang dem Virus der Wechsel von nichtmenschlichen Primaten auf den Menschen erst vor rund tausend Jahren. Bis Ende des 18. Jahrhunderts eine Randerscheinung, ist Denguefieber mittlerweile angetreten, der Malaria ihre Spitzenstellung unter den durch Insekten verbreiteten Kranheiten streitig zu machen. Wie kaum eine andere Krankheit profitierte Dengue im Verlauf des 20. Jahrhunderts vom Wachstum der Weltbevölkerung einerseits und seiner Verharmlosung als "ungefährliche Form von Malaria" andererseits. Derweil sprechen die Zahlen eine klare Sprache - zwischen 1960 und 2010 stieg die Zahl der Dengue Fälle weltweit um 3000 Prozent. Diese Situation spiegelt sich auch in der Zahl der in Deutschland durch heimkehrende Touristen eingeschleppten Denguefieber-Fälle wieder: zwischen der Einführung der Meldepflicht im Jahre 2001 und 2010 stieg die Zahl der in Deutschland registrierten Fälle von 60 auf 590.

Insgesamt sind vier Unterarten des Dengue Virus bekannt - DEN-1, DEN-2, DEN-3 und DEN-4 - alle sind weltweit verbreitet. Zu den tückischen Eigenschaften von Dengue zählt, dass eine Erstinfektion durch eine der vier Unterarten in der Tat zumeist harmlos und grippeähnlich verläuft, und mit Immunität gegen ebendiese Unterart endet. Hierbei wird das Immunsystem aber auf eine Weise konditioniert, dass es einer Zweitinfektion durch eine weitere Unterart hilfloser als zuvor gegenübersteht - ein Umstand, der unter Immunologen als ADE, antibody-dependent enhancement of infection, zu Deutsch infektionsverstärkende Antikörper, bekannt ist. In diesem Fall häufen sich schwere Krankheitsverläufe, verbunden mit starken inneren Blutungen  (hämorrhagisches Denguefieber, DHF) und/oder Schockzuständen (Dengue Shock Syndrome, DSS) die in bis zu 5% (bei Epidemien auch 15 %) der Fälle tödlich verlaufen. Der Virus arbeitet also gewissermassen mit einer "Vorhut": einerseits werden viele Erstinfektionen wegen ihren grippeähnlichen Symptomen gar nicht erkannt, andererseits werden erkannte Fälle bei unzureichender Aufklärung falsch eingeschätzt ("endet mit Immunität"). Bei in kurzen Abständen aufeinanderfolgenden und durch verschiedene Unterarten ausgelösten Epedemien ist daher die Zweite in der Regel deutlich verheerender als die Erste.

Nach Amerika gelangte die Aedes Mücke zu Zeiten des atlantischen Sklavenhandels. Da das Insekt auch Gelbfieber überträgt, begann seine Bekämpfung in Brasilien früh und ab den 1930er Jahren galt die Aedes Mücke in Brasilien bis in die 1970er Jahre hinein als ausgerottet. Zudem galt Denguefieber bis zum Auftreten der ersten hämorrhagischen Dengueepidemie (DHF) auf den Philippinen im Jahre 1957 als vergleichsweise harmlos. Die ersten hämorrhagischen Dengueepidemien (DHF) auf dem amerikanischen Kontinent traten 1981 in Kuba und im nordbrasilianischen Bundesstaat Roraima auf. Wurden in Roraima zunächst nur die Unterarten DEN-1 und DEN-4 identifiziert, traten bei weiteren Epedemien in Rio de Janeiro in den Jahren 1990 und 2000 auch die Unterarten DEN-2 bzw. DEN-3 auf den Plan. Zudem wurde 2010 die Unterart DEN-4 nach 28-jähriger Unterbrechung erstmals wieder in den Bundesstaaten Roraima und Amazonas registriert - somit sind in Brasilien alle vier Untertypen der Krankheit aktiv.

Verharmlosende Äusserungen gegenüber Dengue sind in aller Regel das Resultat mangelhafter Aufklärung und/oder veralteter Informationsquellen. Für Touristen besteht in Risikogebieteninsofern nur insofern ein geringeres Risiko, in dem Erstinfektionen (die für sie wahrscheinlicher sind als für Einheimische) zumeist glimpflich verlaufen. Doch trägt auch dieser Umstand bei unzureichendem Informationsstand leicht dazu bei, dass die Krankheit weiter unterschätzt wird. Nach einer überstandenen Erstinfektion sind Reisende für des Rest ihres Lebens, und auf allen weiteren Reisen, genauso ernsthaft von hämorrhagischem Denguefieber (DHF) und dem Dengue Shock Syndrom (DSS) bedroht wie die Bevölkerung von Risikogebieten. Die Vermeidung einer Erstinfektion, so harmlos sie auch ausfallen könnte, ist daher ein wichtiger Dienst an der eigenen Gesundheit und gehört für jeden Reisenden ebenso zum Pflichtprogramm wie die aktive Mitwirkung bei Massnahmen zur Vektorenkontrolle.

Zum persönlichen Schutz sind Moskitonetze weniger dringlich erforderlich - Aedes Mücken sind tagaktiv - als der Gebrauch von insektenabweisenden Mittel auf allen unbedeckten Körperstellen, auch und vor allem während des Tages. Als besonders effektiv gelten Wirkstoffe auf der Basis von DEET (Dietiltoluamid) oder Picaridin (Icaridin). Zudem sollte man sich bei Kauf der Mittel vergewissern, dass DEET basierte Mittel 30 bis 35 Prozent (maximal 50% !) Wirkstoff, und Picaridin basierte Mittel mindestens 20 Prozent Wirkstoff enthalten. Die Wirksamkeit von Vitamin B Präparaten und Knoblauchpillen zur Abschreckung von Aedes Mücken wird zwar oft kolportiert, ist aber gänzlich unbewiesen.

Im urbanen Umfeld nistet die Aedes Mücke auch in kleinsten Mengen stehenden Wassers, z.B. auch in Blumentöpfen, Blechdosen, Autoreifen, Plastiktüten etc. Zudem sind ihre Eier trockenresistent und können in ausgetrockneten oder geleerten Behältern über Monate überleben. Zur minimalen Vektorenkontrolle von Seiten der Bevölkerung gehört daher das Vermeiden von stehendem Wasser in Bad, Küche und Abstellkammern und auf Balkonen. 

Für Europäer ist Dengue übriges keineswegs "nur" ein Reisethema. So gingen diverse im Volksmund als "Malaria" bezeichnete Epidemien in Griechenland und Süditalien zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Wirklichkeit auf das Konto von Dengue. In den letzten Jahrzehnten ermöglichten Klimaveränderungen und die allgemeine Abnahme der Nutzung von Insektiziden ein Vordringen der Asiatischen Tigermücke (Stegomyia albopicta bzw. Aedes albopictus) in europäische Breiten. Während derzeitig alle in Deutschland gemeldeten Fälle als eingeschleppt gelten, wurden 2010 zwei Fälle aus Südfrankreich gemeldet, bei denen die Infektion aller Wahrscheinlichkeit nach vor Ort erfolgte. Ein ähnlicher Fall aus Kroatien (vom August 2010) wird noch untersucht.