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Leishmaniose

Leishmaniose - Leishmaniasis auf englisch und portugiesisch - ist eine weltweite Infektionskrankheit bei Tier und Mensch, hevorgerufen durch den Befall von Körperzellen durch einzellige Parasiten der Gattung Leishmania. 21 für den Menschen gefährliche Arten sind bekannt, in der Regel mit regional-spefizischen Symptomen. Übertragen wird die Leishmaniose durch die Sandmücke (Phlebotominae) und die Schmetterlingsmücke (Psychodidae). Bereits ein einziger Stich reicht für eine Infektion aus. Der Parasit dringt in die dendritischen Hautzellen des Wirtes ein und vermehrt sich zunächst in deren Innern. Danach zerstört er die Zellmembran und verbreitet sich im Organismus. Hierbei kann er bis in Milz, Leber, Lymphknoten und Knochenmark vordringen.

Leishmaniose Fälle sind aus 88 Ländern bekannt. In der alten Welt sind vor allem Ostafrika und der Sudan, Syrien, Saudi-Arabien, der Iran, Afghanistan, Indien und Bangladesch beftoffen, in Amerika neben Brasilien auch Bolivien, Peru und Kolumbien. Durch die verminderte bzw. vollständig gestoppte Nutzung von DDT in der Landwirtschaft konnte sich die Sandmücke in gemässigten Breiten regenerieren, so dass heute selbst im Mittelmeerraum wieder Leishmaniose Fälle auftreten, auch auf Griechenland-, Türkei- oder Ägyptenreisen. Symptome und Krankheitsbilder sind sehr unterschiedlich und artspezifisch - sie reichen von kleinen und selbst ausheilenden Hautgeschwüren bis zur chronischen Immunschwäche und zum Tod.

Unterschieden wird zwischen kutaner Leishmaniose (Befall der Haut), mukokutaner Leishmaniose (Befall von Haut und Schleimhäuten) und viszeraler Leishmaniose (Befall innerer Organe). Alle drei Variationen kommen in Brasilien vor. Das Land verzeichnet 90 Prozent aller in Amerika vorkommenden Fälle von viszeraler Leishmaniose (Organ-Leishmaniose) und - zusammen mit Peru, dem Nahen Osten, dem Sudan und Saudi-Arabien -  90 Prozent aller weltweit vorkommenden Fälle an kutaner Leishmaniose (Haut-Leishmaniose). Mukokutane Leishmaniose (Schleimhaut-Leishmaniose) ist ausschliesslich in Brasilien, Bolivien und Peru anzutreffen.

Viszerale Leichmaniose ist die gefährlichste Form - zu ihren Symptomen gehören unter anderem Mattheit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, Gewichtsabnahme sowie Schwellung von Milz und Leber. Das diese Symptome auch mit einer Vielzahl anderer Krankeiten einhergehen und die Inkubationszeit stark variiert (zwischen 2 Wochen und mehreren Monaten), gilt sie als schwer diagnostizierbar. Unbehandelt führt sie häufig zum Tod. Kutane und mukokutane Leichmaniose können schwer heilende Geschwüre und bleibende Entstellungen an Händen, Gesicht, Rachen und Kehlkopf verursachen.

82,5 Prozent der knapp 60.000 zwischen 1980 und 2005 in Brasilien registrierten Fälle von viszeraler Leichmaniose stammten aus dem Nordosten das Landes. Feststellbar ist zudem eine zunehmende Verbreitung in anderen Ladensteilen und städtischen Gebieten. Während 1998 die übrigen Landesregionen nur 15 Prozent aller bekannten Fälle verzeichneten, war 2005 diese Zahl auf 44 Prozent angestiegen. Mittlerweile sind Fälle von viszeraler Leichmaniose aus rund einem Drittel aller brasilianischen Gemeinden bekannt.
 
Zur Zeit gibt es weder einen Impfstoff noch eine spezielle Prophylaxe. Der Stich von Sandmücken bleibt häufig unbemerkt, da diese wesentlich kleiner sind als Moskitos und beim Fliegen kein Geräusch machen. Den besten Schutz in Riskogebieten - in der Regel ärmere ländliche und städtische Gegenden - bieten besonders engmaschige, mit insektenabweisenden Mitteln imprägnierte Moskito- und Fensternetze und die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie gegen Moskitos. Entdeckte Sandmücken sollten nicht auf der Haut zerdrückt werden, da auch hierbei eine Übertragung stattfinden kann.

Fälle von kutaner Leishmaniose sind auch von Ferienorten an der Küste bekannt. Obwohl Leishmaniose in keiner Weise unterschätzt werden darf, sollte das Risiko einer Infektion bei einer Brasilienreise nicht überbewertet werden. Seit dem Jahr 2000 registrierte das Berliner Institut für Tropenmedizin 130 Fälle von eingeschleppter Leishmaniose. 91 davon waren kutan, 34 viszeral, und 5 mukokutan. 42 Prozent der Fälle von kutaner Leishmaniose waren aus Mittel- und Südamerika, 38 Prozent aus Südeuropa importiert worden. 97 Prozent aller Fälle von viszeraler Leishmaniose stammten aus dem Mittelmeerraum. Unter den insgesamt 96 kutanen und mukokutanen Leishmaniose Fällen waren lediglich 6 aus Brasilien, unter den 34 viszeralen Fällen keiner.