Startseite arrow Leptospirose

Leptospirose

Leptospirose ist eine durch die Bakteriengattung Leptospira (Ordnung Spirochaete) hervorgerufene Infektionskrankheit. Die Übertragung erfolgt über den Kontakt der Schleimhäute oder kleinster Wunden mit  durch den Kot infizierter Tiere - Nager, Hunde, Vögel und Reptilien - verunreinigtem Wasser oder Lebensmitteln. Gängigste Vektoren der Krankheit sind vor allem in urbanen Gebieten Mäuse und Ratten, weswegen die Krankheit in Brasilien auch als Doença de Rato (Rattenkrankheit) bekannt ist.

Diverse Leptospiroseerkrankungen mit jeweils unterschiedlichen menschlichen Immunreaktionen, Symptomen und Gefährlichkeitsgraden sind weltweit verbreitet und unter einer Vielzahl verschiedener Namen - Morbus Weil, Weil Syndrom, Batavia-Fieber, Feldkrankheit, Reisfeldfieber, Zuckerrohrfieber, Canicola-Fieber, Schweinehüterkrankheit, Bouget-Gsell-Krankheit, Nanukayami Fieber, Seven Day Fever, Rat Catchers Yellows, Fort Bragg Fever uvm. - bekannt. Von diesen gilt Morbus Weil oder Weil-Krankheit - verursacht durch L. interrogans serovar icterohaemorrhagiae - als die gefährlichste. In Brasilien wird in der Praxis zwischen leichten Leptospirosen (Leptospirose anictérica, ohne rötliche Hautflecken) und schweren Leptospirosen (Leptospirose ictérica, mit Hautverfärbung, sprich Morbus Weil oder Weil-ähnliche Krankheiten) unterschieden.

In Brasilien besteht, ebenso wie in vielen anderen tropischen Ländern, ein erhöhtes Leptospirose Risiko. Hauptgründe hierfür sind unzureichende Müllentsorgung und veraltete bzw. nicht vorhandene Kanalisation in Verbindung mit starken Regengüssen. Zwischen 1996 und 2005 wurden in Brasilien 33.200 Leptospirosefälle registriert. Mediziner schätzen die Häufigkeit im Auftreten von leichten (anictérica) und schweren Leptospirosen (ictérica) auf 10:1. Da aber leichtere Fälle in Regel gar nicht erst gemeldet oder mit anderen Krankheiten verwechselt werden, geht man davon aus, dass es sich bei den meisten gemeldeteten Fällen um Morbus Weil oder so genannte Weil-ähnliche Krankheiten handelt, und die Gesamtziffer für Leptospirose in Brasilien somit bei über 300.000 liegt.

Die Symptome einer leichten Leptospirose ähneln denen einer Grippe - plötzliches starkes Fieber, Übelkeit, anhaltende Kopfschmerzen, Muskelschmerzen - über etwa eine Woche. Nach einer kurzen Phase der Besserung löst die Immunreaktion des Körpers eine weitere fieberhafte Phase aus, in der Regel mit abgeschwächten Symptomen. Bei schweren Leptospirosen wie Morbus Weil können während der Symptomphase stark gerötete Augen sowie typische Glieder- und Muskelschmerzen in den Beinen auftreten, während der Immunreaktion rötliche Hautflecken. Bei Morbus Weil kann es in dieser Phase zu Leberschäden kommen, bei Canicolafieber und Feldfieber zu Hirnhautentzündung. Schwere Leptospirosen, insbesonders Morbus Weil, verlaufen bei Nichterkennung zu 30% tödlich.

Der beste Schutz gegen Leptospirose sind - vor allem bei und nach starkem Regen - feste wasserfeste Schuhe. Kontakt mit Pfützen und Schlamm sollte so gut es geht vermieden werden, und eine gründliche Fusswäsche nach Spaziergängen im Regen schadet ebenfalls auf keinen Fall. Zusätzlich sollte beim Besuch von Strandbars oder Restaurants im Landesinnernen Bier und Softdrinks nicht direkt aus der Dose oder der Flasche konsumiert werden sondern aus frisch gewaschenen Gläsern. Helfer in Katastophengebieten sollten sich dieser Risiken bewusst sein und gebührende Vorsicht walten lassen.

Leptospirose kommt auch in Deutschland vor und ist dort meldepflichtig. 2007 kam es im rheinischen Düren zu einer kleineren Epidemie, bei der 30 Erntehelfer am Feldfieber, einer mittelschweren Variante, erkrankten. Insgesamt infizierten sich in Deutschland im selben Jahr 167 Menschen mit Leptospirose.